Wird diese Nachricht nicht richtig dargestellt, klicken Sie bitte hier.

asbrief 10/2020


Privatkonkurse und Überschuldung
werden stark steigen

Die Privatkonkurszahlen in den ersten drei Quartalen waren heuer Corona-bedingt um ein Viertel niedriger als im Vorjahr. Das liegt zum einen am vorübergehenden Lockdown bei Gerichten und Schuldenberatungen. Zum anderen wirken nach wie vor die Kreditstundungen, die zuletzt bis Ende Jänner 2021 verlängert wurden. In den nächsten Monaten wird sich dieses Bild jedoch massiv ändern. Die Schuldenberatungen erwarten, dass ab dem Frühling die sozialen Auswirkungen der Pandemie massiv spürbar werden und es zu einem hohen Anstieg sowohl bei Privatkonkursen als auch bei der Zahl der KlientInnen der Schuldenberatung kommt. Um das bewältigen zu können, ist eine Aufstockung der Mittel für die Schuldenberatungen dringend nötig. Im Konsumentenschutzausschuss wurden dieses sowie weitere relevante Themen diskutiert.
Zum Beitrag: Privatkonkurse Quartal 1 bis 3
Zum Beitrag: Konsumentenschutzausschuss


Aus den Schuldenberatungen

Schuldnerberatung Wien: Betreutes Konto an neuem Standort

Logo Betreutes Konto Die Übersiedlung des Betreuten Kontos der Schuldnerberatung Wien an den neuen Standort „Am Schweizer Garten“ ist abgeschlossen. Damit kann die Zusammenarbeit mit der Zweiten Sparkasse weiter intensiviert und die Beratung für die KontoinhaberInnen in einem Haus angeboten werden. Die räumliche Nähe bringt auch für die MitarbeiterInnen den Vorteil effizienterer Abstimmung und Vereinfachung der Arbeitsabläufe.
Zum Betreuten Konto bei der Schuldnerberatung Wien
Login für Betreutes Konto in allen Bundesländern

Kooperation von Schuldnerberatung Steiermark und AMS

Seit Jahresanfang kooperiert die Schuldnerberatung Steiermark GmbH mit den steirischen AMS-Einrichtungen zur Betreuung von Personen mit multiplen Vermittlungshindernissen (BBEN). Diese Einrichtung wurde in den letzten Jahren flächendeckend österreichweit erweitert. Corona-bedingt konnte die Kooperation erst mit dem zweiten Halbjahr gestartet werden. Dabei werden FinanzCoaching-Seminare für BeraterInnen in der Maßnahme sowie Beratungsgespräche vor Ort angeboten. Durch die gute Einbindung der Betreuungskräfte ist die Nachfrage groß: Zwei FinanzCoaching-Seminare wurden seit Kooperationsstart abgehalten. Im September fanden bereits elf Beratungstage statt. Bei Bedarf werden dabei auch Vorträge für die Teilnehmenden angeboten.

Recht - Politik - Daten

Ein Viertel weniger Privatkonkurse

Waage mit Gesetzeszeichen und Eurozeichen Im 1. bis 3. Quartal 2020 wurden in Österreich 5.405 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet, das sind um 1.785 Verfahren weniger als im Vergleichszeitraum 2019 und entspricht einem Rückgang von 24,8 Prozent. Die Zahl der Insolvenzanträge ist um 25,8 Prozent bzw. 2.060 Anträge auf 5.930 Anträge gesunken.
Alle Bundesländer weisen gegenüber dem 1. bis 3. Quartal 2019 deutliche Rückgänge bei den Privatkonkurs-Eröffnungen auf. Das Burgenland verzeichnet mit 45,3 Prozent den mit Abstand höchsten Rückgang, gefolgt von Tirol mit einem Minus von 37,8 Prozent. Vorarlberg und Oberösterreich weisen mit 30,3 Prozent bzw. 27,9 Prozent ebenso einen überdurchschnittlichen Rückgang bei den Eröffnungen auf. Sowohl Wien (-25,4 Prozent) als auch die Steiermark (-24,3 Prozent) weisen Rückgänge in etwa in der Höhe des Durchschnittswertes für gesamt Österreich auf. Etwas geringer fällt der Rückgang der Eröffnungen in Salzburg mit 20,2 Prozent, Kärnten mit 17,2 Prozent und Niederösterreich mit 15,5 Prozent aus. 
Der deutliche Rückgang der Eröffnungen in den ersten drei Quartalen 2020 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 ist der Corona-Krise geschuldet: Während des Corona-Shutdowns gab es einen weitgehenden Stillstand der Justiz, die Gerichte arbeiteten im Krisenmodus und auch in den Schuldenberatungen war ein Vorantreiben von Schuldenregelungen im gewohnten Setting nicht möglich, da die Beratung ausschließlich telefonisch stattfinden konnte. Dies hatte einen Rückgang der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren im zweiten Quartal 2020 von etwa 40 Prozent gegenüber dem 2. Quartal 2019 zur Folge. Im 3. Quartal 2020 scheint es wieder bergauf zu gehen, es wurden insgesamt 2.012 Verfahren eröffnet, was einem Rückgang von 8,5 Prozent gegenüber dem 3. Quartal 2019 entspricht.

Corona-Bonus für Arbeitslose wurde gepfändet

Im September wurde arbeitslosen Menschen als Corona-Hilfsmaßnahme ein Bonus von 450 Euro ausbezahlt. Die Schuldenberatungen kritisieren, dass dieser Bonus wie Einkommen behandelt wurde und im Fall einer bestehenden Exekution oder bei der Abschöpfung im Privatkonkurs ebenfalls gekürzt wurde. "Damit profitieren die Gläubiger vom Bonus, aber nicht die Menschen, die das Geld gerade brauchen und für die es gedacht war", sagt asb-Geschäftsführer Clemens Mitterlehner. Zusätzlich seien Fehler bei der Berechnung der Pfändung passiert, weil z.B. in manchen Fällen Unterhaltspflichten nicht berücksichtigt wurden. Das AMS bestätigte gegenüber dem Ö1 Mittagsjournal Mitte September, dass in 36.000 Fällen der Bonus für Arbeitslose durch Pfändungen gekürzt wurde. Das Arbeitsministerium möchte an der Regelung nicht rütteln. Der Bonus gilt also weiterhin als Leistung der Arbeitslosenversicherung und ist somit pfändbar.
Eine andere Corona-Maßnahme, die Stundung von Krediten, wurde unterdessen bis 31. Jänner 2021 verlängert.
Zum asb-Infoblatt "Aktuelle Gesetzesänderungen und Fristen"

Drei wichtige Themen für Schuldenberatungen im Konsumentenschutzausschuss

Würfel mit Gesetzzeichen Am 6. Oktober hat der Konsumentenschutzausschuss getagt. Für die Arbeit der Schuldenberatungen grundlegend wichtige Punkte standen auf der Agenda, Markus Vogl von der SPÖ brachte drei Anträge ein:
Er fordert eine Corona-bedingte Sonderfinanzierung für die Schuldenberatungsstellen, um den Anstieg der Beratungen abdecken zu können, der durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie zwangsläufig entstehen wird.
Weiters setzt sich die SPÖ für eine rasche Neuregelung des österreichischen Konkursrechts ein, dessen oberstes Ziel die Gleichbehandlung aller SchuldnerInnen sowie eine rasche Entschuldung und Wiedereingliederung der Betroffenen sein müsse. Elisabeth Götze von den Grünen bestätigt, dass bereits intensiv an einem Entwurf gearbeitet werde und das Gesetz noch vor Sommer 2021 in Kraft treten solle.
Die sozial verträgliche Lohnpfändung stand im Fokus einer weiteren Initative. Vogl fordert den Schutz von unpfändbaren Beträgen, wie der Einmalzahlung für ArbeitslosengeldbezieherInnen. Diese müssten künftig von Pfändungen ausgenommen und die unpfändbaren Beträge am Konto gekennzeichnet werden. (siehe Beitrag oben)
Alle drei Anträge wurden vertagt.
Zu ausführlichen Infos in der Parlamentskorrespondenz

Neue Studie: "Armutsbetroffene und die Corona-Krise"

Die Armutskonferenz präsentiert eine hochaktuelle Studie: "Armutsbetroffene und die Corona-Krise. Eine Erhebung zur sozialen Lage aus Sicht von Betroffenen." Die Studie wurde im Auftrag des Sozialministeriums und unter der Leitung der Sozialforscherin Evelyn Dawid durchgeführt. Sie gibt aufschlussreiche Einblicke in die vielen Bereiche, in denen Armutsbetroffene von der Pandemie und ihren Auswirkungen betroffen sind.
Zum Überblick der Inhalte auf der Seite der Armutskonfenz
Zur Studie

Gesichter der Finanzbildung

Marco Sommer, Schuldnerberatung Kärnten:
"Jetzt werd' ich's aber wirklich regeln!"

Foto von Marco Sommer Diesen Satz habe ich in den letzten Monaten immer wieder gehört, und zwar in Zusammenhang mit meinen Vorträgen in vom AMS finanzierten Kursen und Maßnahmen, die Finanzbildung zum Inhalt haben. Unter den TeilnehmerInnen befinden sich immer wieder Personen, die eigentlich dringend einen Termin bei der Schuldenberatung benötigen würden, aber nicht hingehen. Aus welchen Gründen auch immer. Bisweilen ist die Anspannung unter den ZuhörerInnen förmlich spürbar. Zudem besteht teils die Erwartungshaltung, dass ich als Vortragender der Schuldenberatung eher mahnend und mit erhobenem Zeigefinder agieren würde. Umso überraschter sind die TeilnehmerInnen dann, wenn sich das nicht bestätigt. Sie sind froh, dass sie nicht moralisch belehrt werden und dass Inhalte objektiv, sachlich und vor allem wertschätzend vermittelt werden. Nach den Vorträgen bekomme ich dann oft zu hören, dass es gut sei, dass es eine Schuldenberatung gibt, dass da noch viel mehr gemacht werden müsste und dass gedankliche und emotionale Barrieren und Hemmungen abgebaut werden konnten. Und vor allem, dass man jetzt möglichst schnell einen Termin vereinbaren würde, um endlich das belastende Schuldenproblem zu lösen. Finanzbildung geht mit Schuldenprävention einher. Schuldenprävention ist aber mehr als reine Wissensvermittlung. Im beschriebenen Fall hilft sie, unterstützungsbedürftigen Menschen die Institution Schuldenberatung näher zu bringen und Vorurteile und Ängste abzubauen.
Zu den Angeboten der Schuldnerberatung Kärnten

Stimmt das?

"Warum werden Schulden erlassen? Wer Schulden macht, muss sie auch zurückzahlen!"

FragezeichenDer Schuldenerlass wird im Privatkonkurs Restschuldbefreiung genannt. Er ist das letzte Mittel, wenn eine komplette Rückzahlung der Schulden ohnehin nicht mehr möglich ist. Zahlungsunfähigkeit ist eine Voraussetzung für den Privatkonkurs. Meist spielen viele Faktoren zusammen, die sich über Jahre aufschaukeln. Die Betroffenen und ihre Familien befinden sich in auswegloser Situation: Sie sind üblicherweise bereits gerichtlich gepfändet, haben zahllose Verhandlungen mit den Gläubigern hinter sich, die Zinsspirale dreht sich immer schneller. Die Alternative zur Restschuldbefreiung würde in vielen Fällen bedeuten, Schulden bis ans Lebensende zu haben. Der Neustart nach der Restschuldbefreiung gibt nicht nur der betroffenen Familie eine neue Chance, sondern beendet die unklare Situation auch für Gläubiger. Die Betroffenen können wieder voll am Leben teilhaben, konsumieren, Steuern zahlen usw.. Im Übrigen ist das Konzept Schuldenerlass so alt wie die Geschichte des Geldes. Schon das Alte Testament gibt einen Schuldenerlass vor, um Armut zu bekämpfen.
Zu einer genaueren Beschreibung des Privatkonkurses

Videotipp

SozialRechtsNetz

Ein zweiminütiges Kurzvideo erklärt die Arbeit des SozialRechtsNetz. Dieses wurde auf Initiative einiger Organisationen der Armutskonferenz ins Leben gerufen, um soziale Menschenrechte in Österrerich zu stärken und diese (gerichtlich) durchzusetzen. Die Ermächtigung sozial benachteiligter Menschen steht dabei im Vordergrund.
Zum Video auf youtube

asb Seminarangebot

Die asb organisiert neben der Ausbildung von SchuldenberaterInnen auch Seminare zur Weiterbildung, die für alle Interessierte aus NPOs offen sind. Die Themen sind besonders für MitarbeiterInnen in beratenden, sozialen Einrichtungen interessant. Alle Seminar finden natürlich unter Einhaltung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen statt (siehe Infoblatt).

FinanzCoaching- Erste Schritte aus der Schuldenfalle

Der Dauerbrenner unter den asb-Seminaren!
Die TeilnehmerInnen erhalten einen Überblick über die relevanten Problemfelder im Zusammenhang mit Schulden und lernen die Instrumente der Schuldenregelung kennen. Dadurch wird ihnen ermöglicht, verschuldete Personen bei der Vorbereitung auf die Schuldenregelung kompetent zu unterstützen. 

9. bis 10. November in Graz
Jetzt online informieren und anmelden
Es gibt noch freie Plätze!


23. bis 24. November in Bregenz
Jetzt online informieren und anmelden
Es gibt noch freie Plätze!

Das neue Seminarprogramm 2021 erscheint im November.





About/Impressum
Der asbrief erscheint als monatlicher Newsletter der Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen asb mit aktuellen Informationen rund um Schuldenprobleme, Schuldenberatung und -regulierung.

Fotos: Fotolia, asb, österreichische Schuldenberatungen, Armutskonferenz

Sie haben den asbrief weitergeleitet bekommen und wollen ihn nun regelmäßig bekommen? Hier können Sie ihn sofort bestellen

Sie wollen den Newsletter nicht mehr bekommen? Hier abbestellen


ASB Schuldnerberatungen GmbH
Bockgasse 2 b
4020 Linz
Österreich

0732 65 65 99
pr@asb-gmbh.at
www.schuldenberatung.at

Register: 230327t
Tax ID: ATU 56591744
Gefördert aus Mitteln des BMJ und BMSGPK.